Notizblock http://textcontainer.posterous.com Most recent posts at Notizblock posterous.com Thu, 24 May 2012 04:11:00 -0700 Länglicher, dunkler Körper / Glühwürmchen / Insekt http://textcontainer.posterous.com/langlicher-dunkler-korper-gluhwurmchen-insekt http://textcontainer.posterous.com/langlicher-dunkler-korper-gluhwurmchen-insekt

Es muss durch das weit geöffnete Fenster in den Raum geflogen sein. Hilflos gerät es gegen die helle Wand, offenbar blind für ihre Natur als Barriere. Es kriecht rastlos an einem Möbel entlang, wahllos hoch, gerät tief in den Raum. Trudelt, in suchenden Kreisen, orientierungslosem Fastblindflug. Dann fliegt es ein letztes Mal gegen die Wand, prallt ab mit einem kleinen Knall. Es fällt zu Boden. Da sitzt es, lange Minuten reglos. Es wird dort sterben. Vielleicht ist es schon tot. Die Menschen im Raum schweigen, Seminar, der Dozent macht federnd einige Schritte. Das nimmt es wahr, es duckt sich, dreht sich mehrfach um sich selbst, verlässt seine Postition aber nicht mehr. Nach einer halben Stunde erst nimmt es die Bewegung wieder auf, versucht abzuheben, schafft es nicht zu fliegen, es erhebt sich eine Handhoch, krabbelt dann suchend umher. Immer wieder erhebt es sein Vorderteil. Im Innenhof unter Eichen mäht ein Gärtner mit ostentativ topischem Strohhut den Rasen. Vielleicht rettet das Martyrium (ist es ein Martyrium?) im Innenraum das Insekt vor den Klingen der Maschine. Zu schlank für einen Käfer aus der Ferne, zu biegsam in der Körpermitte, der ungelenke Flug verrät den Krabbler. Die Vorstellung, dass nachts an der großen Universität die wiesenbestandenen Innenhöfe von Leuchtkäfern durchschwirrt sind.

Es kann wohl nicht mehr fliegen und versucht, an der Wand hochzuklettern. Nach einer Ellenbogenlänge fällt es erneut auf den Boden. Dort krabbelt es einige Zentimeter, dann verharrt es wieder.

Auf dem Blatt, das ihm gereicht wird, bleibt es artig (ist es artig?) sitzen. Es wird in die Frische des nun gemähten Innenhofs entlassen, krabbelt ein Stück auf der Steinplatte vor dem rasch wieder geschlossenen Fenster. Vielleicht wird es doch leben, wenn es dem Licht der Leuchtsftoffröhren nicht wieder verfällt. Vielleicht war es nur erschöpft, nicht beschädigt. Ein schmaler, schlanker Käfer. Vielleicht sind die nicht zum Fliegen gemacht.

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Sat, 05 May 2012 14:58:00 -0700 Schnorrosaurus (in wenigen Sekunden ^^) http://textcontainer.posterous.com/schnorrosaurus-in-wenigen-sekunden http://textcontainer.posterous.com/schnorrosaurus-in-wenigen-sekunden

Askeiercmae57ta-1

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Sat, 28 Apr 2012 14:35:00 -0700 Schluri und der Schnorrosaurus (Teil 1) #nonsense http://textcontainer.posterous.com/schluri-und-der-schnorrosaurus-teil-1-nonsens http://textcontainer.posterous.com/schluri-und-der-schnorrosaurus-teil-1-nonsens

Es war einmal, anstelle eines philosophischen oder politischen Blogeintrags, ein Beitrag, der beinahe Getroll genannt werden mochte, aber doch so lustig war, dass man vergessen konnte, dass er von einem pinselohrigen Schelm und einem riesigen Reptil handelte.

"Eine lässliche Sünde", knurrte der Schnorrosaurus, und Schluri fand es schwer, ihn zu verstehen, denn er hatte eine Ladung Tang zwischen den Zähnen. "Die Sünde war in unserer Zeit noch nicht erfunden", merkte er an und schlackerte mit den Pinselöhrchen, "und wenn das hier eine Geschichte für Kinder werden soll, vermeiden wir solche Themen auch besser". "Ach, komm", brummte der Schnorrosaurus, die kennen sich doch aus, die kleinen Racker. Was meinst du, wer skrupellos unsere Rückzüchtung verlangt hat – der Seniorenkreis Hückelsheim?" "Dem Seniorenkreis Hückelsheim haben wir einiges zu verdanken", gab Schluri zu bedenken und zupfte dabei an dem rosa Jäckchen, das Oma Minnie für ihn gehäkelt hatte. Er fand sich ausnehmend hübsch in dem Jäckchen und wusste, dass der Schnorrosaurus insgeheim ein bißchen traurig war, dass man ihm nicht auch ein Jäckchen – oder wenigstens eine hübsche Decke – gehäkelt hatte. Aber was soll man machen, an zwölf Meter langen Seitenteilen häkelt die fleißigste Oma eine ganze Weile. Es war aber was in Planung, zum Geburtstag des Schnorrosaurus, nur wusste der natürlich noch nichts davon. In der Zwischenzeit kaute der ein wenig missmutig an seinen Algen und wünschte sich, man hätte ihn nicht aus einem Brontosaurier-Ei rückgezüchtet, sondern mit den Schwingen eines federleichten Pteranodon. Schluri, der zumindest ahnte, was das für die Freundschaft der beiden bedeutet hätte, war insgeheim froh, dass der Schnorrosaurus keine Schwingen hatte und er war auch froh, ein Schluri zu sein und kein kapitaler Säbelzahntiger. Er hatte Bilder von Säbelzahntigern gesehen und er sah jeden Tag die Zahnspangen der kleinen Mädchen, die sie besuchen kamen und zahnklammerzischend über sie diskutierten. Was für Zahnklammern man als Säbelzahntiger bräuchte, wollte Schluri gar nicht wissen. Und ob ein Säbelzahntiger und ein Pteranodon Freunde sein konnten, war gar nicht gesagt.
"Denkst du schon wieder an Zahnklammern?", fragte der Schnorrosaurus, "Du musst echt mal was gegen deine Phobien machen. Ich hasse das Gezische ja auch, aber Job ist Job, was willst du tun, dem Zoo kündigen und auf dem freien Kunstmarkt untergehen? Ernsthaft, wir sind hier gut aufgehoben und die Arbeitszeiten sind fair. Guck dir die armen Viecher im Tropenbecken an, die müssen sogar am Wochenende an der Scheibe vorbeischwimmen…" "Red dir die Wochenenden nur schön! Letzten Sonntag musste ich am Jahrestreffen der literarischen Gesellschaft teilnehmen, die fanden sich lustig dabei, mich Gedichte aufsagen zu lassen, und als ich keine Lust mehr hatte, haben sie gelacht und mich 'Rotpeter' genannt." "Ja, Hobbyliteraturwissenschaftler sind schwierig, aber immerhin lieben dich alle Senioren. Ich dagegen entspreche nicht genug dem Kindchenschema und bleibe nur als großer Beschützerkumpel für kreischende Kinderhorden. Hast du je Tinnitus gehabt nach so einer Literatensitzung? "Naja, wenn Frau Hubermeyer lacht…" Sie hielten inne. Vor ihrem Gehege tat sich etwas.

Hier geht es weiter, wenn meine ToDo-Liste unter 30 Punkte fällt, was spätestens in sechs Tagen und dreiundzwanzig Stunden der Fall sein dürfte. ^^

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Sun, 15 Apr 2012 14:27:00 -0700 Bibliophiles: "Prudentia und die Pille" http://textcontainer.posterous.com/bibliophiles-prudentia-und-die-pille http://textcontainer.posterous.com/bibliophiles-prudentia-und-die-pille

Man soll ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen, sagte mal wer, der die Backlist von Bastei Lübbe nicht kannte. Und eigentlich stimmt das, der Text ist wichtiger als sein Träger. Trotzdem fische ich manchmal Bände aus Umzugskisten, die nur Zwischenaufenthalt für den traurigen Gang zum Container sein sollten und dabei kommt es vor, dass ihr Coverdesign sie rettet. In diesem Fall rettete ein unglaublich roser farbenfroher Einband die 1970er Clubausgabe von Hugh Mills' Prudentia und die Pille.

Prudentia_vorn

Prudentia_hinten

 

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Sun, 08 Apr 2012 11:23:00 -0700 Halbgares am Sonntag (Grass/Barthes) http://textcontainer.posterous.com/halbgares-am-sonntag-grassbarthes http://textcontainer.posterous.com/halbgares-am-sonntag-grassbarthes

Dass ich trotz aller Umstände an eine Uni gegangen bin, hat viele Ursachen und einige Anlässe. Einer der wichtigeren war ein kleines Zitat von dem von mir inzwischen sehr verehrten Franzosen Roland Barthes. Ich weiß nicht mehr, wo ich es damals gelesen habe und auch nicht mehr, was genau das war. Es wird einer der naheliegenden Beiträge gewesen sein, die Blogger und Journalisten gern verwenden und es kann sogar sein, dass ich das ganze bei Spon gelesen habe. Dieses Zitat umfasste nur ein paar Zeilen, aber der darin formulierte Gedanke war so schön, dass ich wusste: Wo das herkommt, muss ich hingehen.

Zwischendurch, damit ein anderer Gedanke nicht verschwindet:

Bartheszitat

(aus: Lektion/Leçon. Suhrkamp, Frankfurt 1980)

Barthes, von Michel Foucault ans Collège de France geholt, hat dort in seiner Antrittsrede über die Macht nachgedacht. Und wo in diesen Tagen Altpolitiker (die sich ihr biologisches Alter mit mir teilen, aber doch so fern von allem sind, als hätte man sie unlängst erst aus einer fossilführenden Bodenschicht gekratzt) hilflos rufen, es drohe die Diktatur der Masse, hat Barthes schon längst viel eleganter festgestellt, dass, und wie man sich vor sowas schützen kann.

Man bräuchte den Zusammenhang, wollte man darüber wirklich philosophieren, aber die zentrale Geste ist in diesem Abschnitt enthalten: die Aufgabe des Intellektuellen (oder der Intellektuellen, denn endlich gibt es Frauen, die niemandem beweisen müssen, dass ihr Geschlecht sie nicht verschattet und behindert) als Instanz des Sich-Freimachens von der von vielen getragenen und reproduzierten Macht und vor allem von der erzeugten Schuld, die dem Abweichen automatisch innewohnt.

Grass hat sich auf diese Weise freigemacht, er hat sich erlaubt, etwas zu schreiben, von dem er wusste, dass es nicht auf Wohlwollen stoßen kann. Er hat mit seinem Gedicht kein Glanzstück moderner Poesie abgeliefert, und ganz sicher nicht die brillantesten Gedanken seines Werkschaffens. Aber er hat geliefert, seine Aufgabe als Dichter hat er erfüllt.

Ich werde an dieser Stelle weiter nachdenken – nicht über Grass, dazu ist das Gedicht nicht wichtig genug und Politiker werden die Inhalte weiter diskutieren (diskursanalytisch arbeitende Studierende werden an dieser Debatte trotzdem genug Material für eine Forschungs- oder BA-Arbeit finden).  Aber darüber, wie wir uns zurechtfinden und frei-machen können in einer Welt, in der unsere Gedanken selbst in einen Raum hineinragen, der nicht mal mehr ein Territorium hat, geschweigedenn Völker oder Nationen. Die Macht kommt heute in der Mehrzahl vor, wie die Dämonen. Wir sind längst Legion. Wenn es uns aber gelingt, in diesem seltsamen Raum, dem Limbus der Globalisierung des Geistes in der Digitalität,  Enklaven zu schaffen, in denen jeder (und jede) atmen kann, in der ihm eigenen Form und Sprache, haben wir gegen die Dämonen, die wir alle mit sind, vielleicht sogar gewonnen.

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Sun, 01 Apr 2012 14:31:00 -0700 Frisch gelesen: "Suna" http://textcontainer.posterous.com/frisch-gelesen-suna http://textcontainer.posterous.com/frisch-gelesen-suna

"Nie zurückschauen", sagt sich die Erzählerin von Pia Ziefles Roman Suna lange Zeit und lebt mit Mann und Kind in einem verwunschenen Bauernhaus, das sich gegen das Bewohntwerden regelrecht zu sträuben scheint. Dann wird ein zweites Kind geboren, eine Tochter, und etwas stimmt nicht mit ihr, sie weint zu viel und kann nicht richtig schlafen. Nach fruchtlosen Vorstellungen bei diversen Medizinern stellt der Dorfarzt eine Diagnose: Wurzeln müsse das Kind schlagen, dann werde alles gut und die  Mutter ahnt, dass der etwas vage Rat ein guter ist. So findet es sich, dass für die Erzählerin eine Reise in die eigene Vergangenheit beginnt.

Louisa sucht nach ihrer Familie. Das ist kompliziert, denn als Adoptivkind hat sie zwei davon und einen Teil besagter Wurzeln findet sie in Serbien und der Türkei. Sie fährt zu Besuchen, ordnet ihre Erinnerung und erzählt ihrer Tochter in sieben Nächten, die den Band als Kapitel strukturieren, die Geschichte ihrer gesamten Familie.

Bis zur Generation der Urgroßeltern geht diese Erinnerung und wir erfahren von den Verheerungen, die zwei Weltkriege und politische Wirren in den Biografien dieser Menschen angerichtet haben. Wir erfahren auch von den Umständen, die Louisas leibliche Mutter und ihren Vater nach Deutschland brachten, die zur Adoption führten und wie sie in die Adoptivfamilie kam. Ein tragendes Element des Textes ist die Gleichberechtigung der einzelnen Figuren, die bei allem, was sie erleben und bei allen Fehlern, die sie machen, immer auf eine Weise geschildert werden, die ihnen trotz allem ihre elementare Würde lässt. Man hat es in Suna mit Figuren zu tun, die einander und anderen nicht immer gutgetan haben, aber man sieht am Ende die Gesamtheit ihrer Lebenswege und auch manche lange verborgen gebliebenen Qualitäten.

Das Atmen ist wichtig in Suna. Luisas leibliche Mutter Julka wird in der Nacht ihrer Geburt voreilig für tot erklärt und aus dem Haus getragen und der Wechsel zwischen Wachsein und Schlaf, Bewusstsein und Ohnmacht und das Träumen rhythmisieren den Stoff. In einem Alptraum nimmt das Unterbewusstsein der Protagonistin vorweg, was es später zu entwirren gilt:

"Im Traum sollte ich Aufsätze schreiben, allein in einem fensterlosen, staubigen Raum. Mit Neonbeleuchtung. Ich schrieb dreißig brillante Seiten zum Thema "So stelle ich mir die Welt in zehn Jahren vor" und bekam null Punkte dafür, denn es erstachen sich darin Ehefrauen harakiriartig mit Radioantennen, und Ehemänner erstarrten in stereotypem Stuhlploppenlassen in vorvertiefte Teppichbodenabdrücke nach DIN-Norm. Eltern zersägten mit Messern aus Keramik ihre Biographien und froren sie tief, um sie zu stündlich stattfindenden Mastfesten in die weitgeöffneten Münder ihrer Kleinkinder zu stopfen. Ungekocht."

Dabei findet Ziefle zu einer Erzählweise, die ihre Geschichte auf 300 Seiten oft märchenhaft klingen lässt, ohne dabei in Kitschfallen zu geraten. In den Beschreibungen ist eine Zärtlichkeit, die ein Übermaß an Intimität ersetzt und streckenweise an die runde, webende Sprache von Ulla Hahn erinnert. Ein bisschen wirkt das, als ob nach den vielen fremdsprachigen Einflüssen in Louisas Familiengeschichte die Kanten des Deutschen mit Kieselsteinen gewaschen und gemildert wurden. Immer wieder gibt es Passagen, die als Tableaus funktionieren und den Kampf um eine Identität zwischen leiblichen und Zieheltern, Generationen und Kulturen, sichtbar machen:

"Dann denkt man unablässig an Elternwörter, die paarweise auftraten und niemals dieselben waren, dann denkt man, warum haben nicht einmal meine deutschen Eltern in ihrem deutschen Land für ihre deutschen Dinge dieselben deutschen Wörter? Wie sie sich streiten konnten über Tunell oder Tunnl. Kilometerlang jeden Urlaub konnten sie das. Oder Samstag und Sonnabend, Schwarztee oder Schwarzer Tee. Kartoffelpüree und Kartoffelbrei oder Jatz und Dschäss oder Strümpfe und Socken. Stundenlang auch Schnaken und Mücken. (Jeden Sommer neu.)"

Suna ist ein Roman, der seine Leser durch halb Europa führt: durch die beschädigten Biografien der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeneration, durch die Zeit der Einwanderung von Gastarbeitern nach Deutschland und durch eine Selbstverwurzelung auf den familiären Halden alter Sorgen, Traumata und Missverständnisse. Die schöne Sprache und die konzentrierte Struktur sorgen dafür, dass der Text nicht in mäandernden Familientratsch abtreibt. Und so liest man ihn in einem Zug und statt eines großen deutschen Romans ist Suna vielleicht ein kleiner, der über ein Land, in dem sich so lange schon Menschen aus vielen Ländern treffen, eine Geschichte erzählt, in der mancher die eigene Familie wiederfinden wird.

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Mon, 09 Jan 2012 22:32:00 -0800 Yay, neue Beiträge! http://textcontainer.posterous.com/yay-neue-beitrage http://textcontainer.posterous.com/yay-neue-beitrage

Es sollte mal wieder was passieren, sagt die Regie. Dann wollen wir den Defibrillator direkt ansetzen. Sprechen wir über das Prokrastinieren von Textproduktion, für die es Punkte gibt – oder Bargeld. Oder vielleicht auch darüber, dass hier Text erscheint, während zu den Klängen blasengefüllter Schoßhunde ein wenig Nachtschlaf nachgeholt werden sollte. Die Leute sagen oft, in der Nacht scheine die Sonne nicht. Das ist nicht ganz wahr. Ihr seid da draußen und  wenn uns auch die Sonne nicht scheint, so ist denn wenigstens das Glimmen der ladenden mobilen Endgeräte ein Zeichen dafür, dass die Welt trotz allem nicht leer ist.

Zombieapokalypse ist morgen. Heute ist ein neuer Tag. Aufwachen, ich seh da schon wieder Spuckefäden und Zahnpasta aus müden Mündern tropfen! ;-)

Hier geht es weiter.

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Tue, 14 Sep 2010 16:58:00 -0700 #twitpiclikeits_1980 (Nacktfotos) http://textcontainer.posterous.com/twitpiclikeits1980-nacktfotos http://textcontainer.posterous.com/twitpiclikeits1980-nacktfotos

Minimykke

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Thu, 12 Aug 2010 08:52:00 -0700 Omilein http://textcontainer.posterous.com/omilein http://textcontainer.posterous.com/omilein

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Wed, 14 Jul 2010 10:52:00 -0700 Bildstrecke: Unwetter über Weitmar http://textcontainer.posterous.com/bildstrecke-unwetter-uber-weitmar http://textcontainer.posterous.com/bildstrecke-unwetter-uber-weitmar

In Sekunden zieht eine Wolkenfront auf, die das Tageslicht schluckt. Der bis dahin sommerliche Himmel zeigt Wolkengebilde in unterschiedlichen Höhen, dabei Blitze zwischen den einzelnen Formationen. Sturmwind, es fliegen kleine Gegenstände und Äste. Starkregen, Gewitter, der Spuk ist schnell vorbei und weicht beschaulichem Sommerregenwetter.

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Wed, 09 Jun 2010 12:58:00 -0700 Vom Fähnchenpflücken -- eine kleine Wimpelkunde http://textcontainer.posterous.com/click-here-to-set-a-title-2613 http://textcontainer.posterous.com/click-here-to-set-a-title-2613

Wmplknde

Das bunte Treiben auf unseren Straßen verführt heuer nicht nur dazu, morgens statt Pickel Wimpel zu pflücken zählen, es sagt auch viel über die Eigentümer der schmucken Importware aus. Die häufigsten Deko-Varianten und die ihnen zugrunde liegenden Persönlichkeitstypen finden Interessierte daher an dieser Stelle übersichtlich aufbereitet:

1. Einzelfahne Fahrerseite
Beliebteste Variante im Facepalm-Reigen. Fantyp: Der Eilige. Schmückt sein Fahrzeug mit Understatement und betonter Lässigkeit. Stets wehrt der Eilige sich vehement gegen den Vorwurf unbotmäßiger Freude.

2. Einzelfahne Beifahrerseite
Fantyp: Der Verleugner. Schiebt Gattin oder Brut die Verantwortung zu, hat mit dem Wimpel ü-ber-haupt nichts zu tun und teilt seinen Aufenthaltsort nur ganz zufällig mit dem spontan materialisierten Dekorationsobjekt.

3. Einzelfahne Funkantenne
Fantyp: Die Zicke. Kastriert bei der Anbringung symbolisch sowohl Fahrzeug als auch den domestizierten Halter. In diesem Wagen läuft nur der Verkehrsfunk, Antennen kann man halt neu beschaffen, Hauptsache alles ist demonstrativ phallisch symmetrisch!

4. Einzelfahne Heckscheibenwischer
Fantyp: Der Verlegene ("Wo mach ich dat Dingen nur feste?"). Hätte Regenbogenfähnchen schöner gefunden, aber die waren überall ausverkauft. Der Verlegene wünscht sich heimlich eine Free-Tibet-Flagge, traut sich damit aber nicht aus der Garage.

5. Einzelfahne Innenraum
Fantyp: Der Trotzige. Darf den Firmenwagen unter Androhung von Maßnahmen nicht schmücken und holt seinen Wimpel auf der Bahn heimlich aus der Hose. Hat ähnliches schon in der Vergangenheit geübt.

6. Doppelfahnen Kühlerhaube
Fantyp: Der Aristokrat. So hätte es Mosi gemacht! Stilsicher nur bei älteren Mercedes-Limousinen, zieht diese gediegene Dekovariante die Ästheten unter den Fußballfans an.

7. Doppelfahnen Vordertüren
Variante "0815". Fantyp: Der angepasste Prolet. Aufgeregter als der Eilige und im Schnitt der Pubertät erst wenige Jahre entwachsen, schätzt der angepasste Prolet die ordnungsgemäße Vollbeflaggung, die auch bei den Ischen gut ankommt unn' so.

8. Doppelfahnen Fahrzeugmitte
Variante "Geröllheimer". Fantyp: Der angepasste Prolet mit Freundin. Dekoriert den Wagen am Freitagnachmittag zusammen mit Schatzi und achtet auf eine harmonische Anbringung in der optischen Mittelachse des Fahrzeugs.

9. Doppelfahnen Hintertüren
Variante "Autoscooter". Fantyp: Das ewige Kind. Die Beflaggung der Hintertüren entspringt einer profunden Unsicherheit des Fahrzeughalters. Gerne würde er gröhlen, saufen und mit Popcorn werfen, aber beim Blick auf die Hupe bricht ihm der kalte Angstschweiß aus. Das ewige Kind ist nur selten in der Nordkurve zu finden.

10. Triple-Beflaggung
Fantyp: Der Hamsterkäufer. Eine Triple-Beflaggung weist in der Regel auf erhöhtes Engagement und echtes Fantum hin. Gelegentlich fahren Triple-Beflagger bewusst zu schnell, um das Bußgeldfoto als Erinnerung in ihr Panini-Album kleben zu können.

11. Quadro-Beflaggung
Fantyp: Der Cruiser. Quadro-Beflagger halten nach dem Spiel am längsten durch und drehen auch dann noch johlend ihre Runden um den Block, wenn selbst hartgesottene Fanclubvorsitzende schnarchend in der Hollywoodschaukel liegen. Weitere Kennzeichen: Hörschäden, Kenwoodaufkleber.

12. Große Fahne Heckablage
Fantyp: Der Hooligan. Nie dicht auffahren, nie anhupen, an der Ampel nicht in die Augen gucken. Stilsicher nur nach dem Spiel in Verbindung mit einer Strick-Klorolle und/oder einem gut sichtbaren Schalke-Schal. Je nach Region weltanschauliche Verirrungen des Fahrzeughalters möglich. Wie bereits erwähnt: nie dicht auffahren, vor allem nicht mit Urlaubsbräune.

13. Große Fahne Motorhaube
Fantyp: Der Italiener. Große Fahnen auf der Motorhaube zeigen fast immer die italienischen Nationalfarben und werden mit ausgelassener Fröhlichkeit prozessionsartig durch die Straßen gefahren. Beste Strategie für Passanten: Winken, singen, mitfeiern.

14. Sechsfach-Beflaggung mit Heckdekoration
Selten anzutreffen, aber ausnehmend beeindruckend, lässt sich auch die vollständige Gesamtbeflaggung in freier Wildbahn beobachten. Fantyp: Der letzte Samurai. Fußball sowie Patriotismusdebatte sind ihm völlig gleichgültig, Bier eigentlich auch. Sammelt Anime ohne Untertitel, ist resistent gegen regulierende Intervention durch seine Sozialkontakte. Flaggt, bis das Autoblech sich biegt und hofft, eines Tages Armaturen aus hundertfach gefaltetem Damaszenerstahl zu ergattern. Strategie bei Sichtung: Fotografieren, sonst glaubt es später keiner!

Update
15. Spannbeflaggung (Seitenspiegel und/oder Heck)
Fantyp: Der Neurotiker. Erwirbt keine Billigfähnchen aus dem Baumarkt, sondern hochwertige Spannbezüge in den präferierten Nationalfarben (d.h. die deutschen). Diese bedecken das Fahrzeug so präzise, dass einige Neurotiker beim ersten Anbringen einen Orgasmus erleben. Neurotische Fußballfans träumen davon, unauffällig auch nach der WM Autoschonbezüge einzusetzen.

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Sun, 06 Jun 2010 15:48:00 -0700 Schmetterlingsflügel und die glitzernde Öpve http://textcontainer.posterous.com/schmetterlingsflugel-und-die-glitzernde-Opve http://textcontainer.posterous.com/schmetterlingsflugel-und-die-glitzernde-Opve

Vorab ein Forschungsbeitrag für die Linguisten – der Terminus "Öpve" wird im alltäglichen Sprachgebrauch auch außerhalb des Internets ganz selbstverständlich verwendet:

Oepvenen

Dann, als könne die glitzernde Öpve so einfach übertroffen werden, ein alles übertreffendes Zauberwesen mit Scherenhänden und Schmetterlingsflügeln, ein Dankeschön an das Offliner-Wolferl von dieser Seite aus und…

…ein noch viel größeres, riesiges Dankeschön an @klabusterbeere für die seeeehr schick verpackte Angelegenheit, die das untenstehende Bild überhaupt nicht adäquat einfangen kann! Ich probiere die Flügel gleich aus! :-D

Oepvenenzwo

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Tue, 01 Jun 2010 16:55:00 -0700 Bild: Dies ist mein Lichtrevier http://textcontainer.posterous.com/bild-dies-ist-mein-lichtrevier http://textcontainer.posterous.com/bild-dies-ist-mein-lichtrevier

Hmlcdznd

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Sun, 30 May 2010 10:04:00 -0700 Rezension: "Ein Geheimnis" von Philippe Grimbert http://textcontainer.posterous.com/rezension-ein-geheimnis-von-philippe-grimbert http://textcontainer.posterous.com/rezension-ein-geheimnis-von-philippe-grimbert

Es ist eine Weile her, dass ich die folgende Rezension geschrieben habe, aber vor dem aktuellen Hintergrund erscheint es mir wichtig, dem ein oder anderen ein Werkzeug in die Hand zu geben, das bei der Pflege einer Erinnerungskultur hilft. Es treibt mich um, dass die Ereignisse, die zum fürchterlichsten Genozid der Menschheit geführt haben, mehr und mehr in eine Historizität abgleiten, so dass man nur noch schwindelig sagen kann: "Wie schnell will das Gras denn noch wachsen". Etliche der Kommentare, die im Zuge der Grandprix-Punktevergabe in Plattformen des Web 2.0 aufgetaucht sind, zeugen von profunder Unkenntnis über die Mechanismen, die andere eben nicht vergessen lassen. Mähen wir dieses Gras ab und zu. Nicht durch Abarbeiten an einem Schuldkomplex, sondern als Hüter von Demokratie und Empathie:

„Ein Geheimnis“: Der stumme Schrei der Kinder

Philippe Grimbert rekonstruiert den Schicksalsweg seiner jüdischen Familie und erinnert dabei an eine vergessene Opfergeneration

Philippe Grimbert, geboren 1948 in Paris, ist Psychoanalytiker und Autor. Er schreibt, wenn er muss, wenn ein Thema ihn bewegt; das ist, was er selbst über seine Texte sagt. Mehrere Essays und zwei Romane hat er bisher veröffentlicht. Sein neuester und vielleicht wichtigster Roman wurde noch im Erscheinungsjahr mit dem französischen Prix Goncourt des Lycéens (2004) und mit dem prix des Lectrices de Elle (2005) ausgezeichnet. Unter dem Originaltitel „Un secret“ wurde er 2007 von Claude Miller verfilmt.
„Ein Geheimnis“ ist Roman und Autobiografie, ein vielschichtiger Text, der seine Leser in die Kindheit des Erzählers Grimbert führt und auf gut 150 Seiten das Bild einer von nationalsozialistischer Verfolgung und persönlicher Ohnmacht geprägten Familiengeschichte entwirft. Der Blick des Erzählers ist deckungsgleich mit der biographischen Verortung des Autors Grimbert, der, gestützt von den Erkenntnismöglichkeiten seines beruflichen Hintergrundes die Zugehörigkeit zur so genannten zweiten Generation von Holocaust-Überlebenden reflektiert und in literarischer Form aufarbeitet.
Der Therapeut Grimbert arbeitet mit autistischen Kindern und Jugendlichen. Autistisch mutet auch das verstörende Schweigen an, mit dem das Kind Philippe aufwächst, in einer Familie, die ihm lange Zeit jede Verbindung zu den schrecklichen Ereignissen und Verlusten vorenthält, die sie im besetzten Frankreich erlitten hat. Nüchtern und klar hält der Erzähler die traumatischen Reaktionen der Erwachsenen fest, die Namensänderung von Grinberg zu Grimbert, seine katholische Taufe, die verzweifelte Sportlichkeit der Eltern, die, längst nicht mehr Passion der Jugendzeit, vielmehr halb bewusste Fluchtbereitschaft ist.
Und ebenso nüchtern hält er die Folgen dieser Sprachlosigkeit fest, die Unsicherheit des Einzelkindes angesichts beständig unerklärlicher Distanziertheit der Eltern, das Gefühl, gegen übermächtige Schatten anzutreten, nicht der „Erste“, das Wunschkind als ungebrochene Fortschreibung des Familienstammbaums zu sein. Und so ringt der Nachgeborene der zweiten Generation eine Kindheit lang mit dem Unsichtbaren, mit der personifizierten Vergangenheit in Gestalt eines zunächst imaginären großen Bruders.
Mit einem unausgesprochenen Phantom belastet, verinnerlicht der Erzähler die Überlebensstrategien seiner Eltern. Seine Kindheit durchzieht ein latentes Schuldgefühl, das sich, Anlässe zu seiner Bestätigung suchend, bis in eine verzweifelte Selbstverachtung steigert. Der Junge reagiert irritiert auf die schrecklichen Bilder des Holocaust, nimmt unbewusst die Reaktionen seiner Eltern auf. Als Psychologe kennt Grimbert die Untersuchungen zu den verheerenden sozialen Folgen der Traumatisierung jüdischer Überlebender und ihrer Kinder. Als Betroffener und Angehöriger dieser zweiten Generation kennt er das sekundär erworbene Trauma aus eigener Anschauung. Der Weg bis zu einem Reflexionsgrad, der einen hoch artifiziellen und poetischen Text wie „Ein Geheimnis“ in die Existenz hebt, Fakten und Emotionen birgt und strukturiert, ist womöglich lang gewesen. Zum Dreh- und Angelpunkt seiner Genese wird ein Familienmitglied, dessen Schicksal tief im Schweigen der Lebenden begraben ist und dem sich Autor und Erzähler nur über Umwege nähern können.
Auf dem Dachboden des Elternhauses findet der Erzähler einen Stoffhund, den er fortan „Sim“ nennt. Was für das Kind mit eigenem Erleben aufgefüllt wird, bleibt den Eltern narbenhaftes Zeichen ihres verdrängten Vorlebens. Dass es die letzte, tragische Erinnerung an den deportierten großen Bruder ist, erfährt Grimbert im Roman mit fünfzehn Jahren von einer Zeitzeugin und Freundin der Familie. Was die Konfrontation mit dieser Narbe nicht vermag, gelingt später bei der Trauer um ein Haustier. Der Verlust des Hundes „Echo“, der mit seinem Tod zum Katalysator wird, zum Anlass, das Schweigen heilsam zu unterbrechen. Es wird gesprochen über Angehörige, über deren Schicksal der inzwischen erwachsene Erzähler aus Archiven und durch nachdrückliche Recherchen längst mehr weiß, als seine Eltern. Der Erzähler Grimbert versucht keine Heilung. Er bricht das Schweigen respektvoll und heilt sich, den Nachfolger. Von dem Phantom, das nun den Namen seines Bruders Simon trägt und von der Unsichtbarkeit des Leidens der zweiten Opfergeneration des Holocaust.
Der Roman verwendet das Indirekte, den Zufallsfund und den distanzierten Blick des scheinbar Außenstehenden. Wie in W.G. Sebalds „Austerlitz“ verwirren sich Bericht und indirekte Quelle zu einem Gewebe, das einen Schleier über die verstörenden Gegenstände der Erzählung legt. Ebenso wie der durch Adoption zum Nachgeborenen gewordene Austerlitz vor verlassenen Schaufenstern in Terezin die potenzielle Herkunft der ausgestellten Artefakte seiner eigenen Geschichte hinzufügt, entsteht auch Grimberts Geschichte. Aus Fotos, erzählten Erinnerungen, Assoziationen und Zufallsfunden wird ein Stilleben, das gerade durch den Kunstgriff der erzählten Leerstellen die Tragweite der Verletzungen spürbar macht, von denen Opferfamilien noch Generationen nach der Verfolgung durch den Nationalsozialismus geprägt sind.
Die Fantasien und besorgten Spekulationen, mit denen der Erzähler Grimbert die Geschichte seiner Familie rekonstruiert, die er mit sich erweiterndem Horizont korrigiert, beschreiben Psychologen heute als typisch für sekundär traumatisierte Kinder. Die begleitete Konstruktion einer historischen Fiktion, einer Familienerzählung, die das Geschehen der Verfolgung enthält und nennt, empfehlen sie als Therapie. Grimbert schreibt eine solche Erzählung. Schritt für Schritt erleben wir die heranreifende Stärke eines Menschen, der über fünf Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders souverän drei untrennbar ineinander verwobene Geschichten erzählt: Die von der Liebe seiner Eltern, die Geschichte einer paradigmatischen Kindheit und die Geschichte des unbekannten Bruders, dem Philippe Grimbert in diesem Buch ein bewegendes und eindrucksvolles literarisches Gedenken setzt.

Philippe Grimbert:
Ein Geheimnis
Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2007,
154 Seiten, 7,00 Euro

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Mon, 24 May 2010 18:18:00 -0700 Schachtzeichen in Bochum-Riemke http://textcontainer.posterous.com/schachtzeichen-in-bochum-riemke http://textcontainer.posterous.com/schachtzeichen-in-bochum-riemke

Schachtzeichen01

Schachtzeichen02

Schachtzeichen03

Schachtzeichen04

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Sun, 02 May 2010 18:23:00 -0700 eichhorn und raben http://textcontainer.posterous.com/eichhorn-und-raben http://textcontainer.posterous.com/eichhorn-und-raben

Ichhorn

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Sun, 18 Apr 2010 09:14:00 -0700 "Vielleicht gibt es Häuser, die unheilbar sind" -- Peter Bichsels Jahreszeiten http://textcontainer.posterous.com/vielleicht-gibt-es-hauser-die-unheilbar-sind http://textcontainer.posterous.com/vielleicht-gibt-es-hauser-die-unheilbar-sind

Blumeneins

Kieninger versuchte die Tage zu unterscheiden. Er kaufte sich etwas. Er überzeugt sich davon, ein hellblaues Blumenkistchen für den Fenstersims besitzen zu müssen, um Schnittlauch wachsen lassen zu können. Er ließ sich Prospekte geben, vergaß später sein Vorhaben, führte es plötzlich überstürzt aus, zeigte sich ungeduldig, als der Händler von Lieferfristen sprach, kaufte sich beim Drogisten blaue Farbe, ließ sich von den Argumenten des Gärtners nicht abhalten, beobachtete später stündlich die Saat, dachte daran, etwas anderes zu kaufen, etwas zu lesen, einen Brief zu erhalten oder krank zu werden, ging nachmittags in die Stadt.*

*Peter Bichsel: Die Jahreszeiten

Blumenzwei

Man könnte so weitermachen. Mit der Schraube aus dem Erdgeschoss in dem unheilbaren Haus, westwärts zum Fenster gelagerten Füßen, dem Loch in der Wand. Es gibt Texte, die ihre Leser zur ersten Hand überraschen mit vertrauten Szenarien oder Anklängen an das, was wir das Leben nennen. Und dann nicht einlösen, auf was man sich doch verlässt, die Erzählung, den durch alle Köpfe geprügelten Sinn. Sondern mit dem Schreiben selber ringen und seinem Vorankommen, die dann aus jenen Teilen, die wir erkennen, denen wir zustimmen wollen, immer neues Innehalten, Neuansetzen generieren. Der atmende Text.

Verblüffend ist es allemal, wenn eine literarische Bestandsaufnahme plötzlich den eigenen Hausrat erreicht. Auch wenn wir lächeln, vom Text fühlen wir uns ertappt, von seinem Autor auch, und plötzlich zieht es uns an Fäden und das Buch öffnet sich in die Welt. Die bedauernswerten Untoten in dem abgebildeten blauen Kästchen starteten übrigens als hoffnungsvolle Petersiliensträucher -- wie der Sonnenblumenkern in die Wohnung geriet, weiß kein Mensch. Doch er ist da und wird zum Teil der Geschichte, und ein bißchen fürchte ich auch seinen Zorn.

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Sun, 11 Apr 2010 10:33:00 -0700 Bärlauchnudel-Dekadenz, gesponsert von @steffenmeier :-D http://textcontainer.posterous.com/barlauchnudel-dekadenz-gesponsert-von-steffen http://textcontainer.posterous.com/barlauchnudel-dekadenz-gesponsert-von-steffen

Baerlauchnudeln

Delikat und dunkelgrün erfreuen die von Ulmers @steffenmeier quasi per Twitter verschickten Bärlauchnudeln uns auf diesem anschaulichen Bild mit den nobelpreisverdächtigen Lachsröllchen von @Weihrauchsberg. :-D

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Sun, 04 Apr 2010 13:23:00 -0700 Von Pfaff und Derfling http://textcontainer.posterous.com/von-pfaff-und-derfling http://textcontainer.posterous.com/von-pfaff-und-derfling Natürlich hacke die Journaille auf der Kirche rum, sie sei ja kein Anzeigenkunde. Sagt einer am Mittagstisch, dessen Klugheit ich schätze und dessen Wissen von der Welt ich nie haben werde. Der Bischof, dessen Osterpredigt Weltliches heuer wenig anficht, wird auf eine Strafanzeige gegen seine ehemaligen Schäflein wohl verzichten. Die Kirche mag kein Anzeigenkunde sein, aber Rechtsberatung sucht sie sich dann doch. Misshandlung von Schutzbefohlenen war derweil immer geächtet – wie auch immer schon Problem.
Im Mittelalter sah man das so, sagt uns ein exemplarisch zitierter Quellentext im hilfreichen Mittelniederdeutschen Wörterbuch von Karl Schiller und August Lübben:

derflink, ein an der derf leidender. Die Stiefälteren sollen ihre stiefkinder nicht in vnreinicheit vnde kranckheit vorderven laten, noch se vorblüffen mit tyrannischen woerden, vel weiniger mit vuesten vnde stoeken se tho derfflinge vnde kroepele maken. Gryse L. B. fr. 81.*

Die Darre oder Derf als Siechtum der Mangelernährten und Vernachlässigten ist heute eher ein Phänomen russischer Gefängnisse, hierzulande hat man - wenn überhaupt - die Motten. Oder andere Leiden, die nicht von alleine abheilen wollen. Und die nach 40 Jahren noch zu eidesstattlichen Erklärungen jener Beladenen führen, die man sich einst produziert hat durch das Missachten der eigenen Regeln.
Frau Käßmann hat sich für einen Fehler entschuldigt, der für niemanden Unheil zur Folge hatte. Hat der Katholizismus mit Demut, Beichte und Buße keine vergleichbaren Instrumente zur Reinigung des Gewissens hervorgebracht? Ich glaube nicht an höhere Wesen. Ich glaube aber an den Menschen. Und daran, dass ein Zeitalter der feixenden Täter nie ohne fatale Konsequenzen für uns alle ausgerufen werden kann.

*Quelle: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/F4/schill1/g508-509.htm

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Tue, 23 Mar 2010 08:16:00 -0700 Bestattungsprodukt Haustiergrabstein http://textcontainer.posterous.com/bestattungsprodukt-haustiergrabstein http://textcontainer.posterous.com/bestattungsprodukt-haustiergrabstein So nah liegen Parodie und Leben manchmal beieinander. Großartig, wie stilvoll man Schnippi und Bobo heutzutage unter die Erde bringen kann. Bei dem Preis sollten Tierfreunde ruhig einen kleinen Vorrat der mobilen Gedenkstätte Trauerbuch kaufen und nach und nach hinten im Garten unter der Edelfichte ein schmuckes Gräberfeld anlegen. Vor allem Kleintierhalter werden den Vorteil ergonomisch stapelbarer Haustiergrabsteine zu schätzen wissen. Oder bin ich wieder blind für Trends und die sind für den Blumenkasten?*

Um einem Texter ökonomisch werthaltiges Bestattungsprodukt zu sein, empfiehlt sich die Verwendung der gediegenen Variante, nämlich des frei zu beschriftenden Haustiergrabmonuments. Sorgfältig in Verse gesetzte Inschriften ("Oh, weh uns Sterblichen, der Schnitter kam allzu früh in unsere Gefilde und entriss dem Leben Purzel, einen innig geliebten Freund") und Nekrologe ("12 Jahre war er treuer Sittich, dann flog er vor die große Scheibe. R.I.P Fransi") sind in den Zeiten der Moral- und Wirtschaftskrise sinnstiftend und ernähren ihren Mann.**

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*Es rufe jetzt keiner: Die Kinder! Wer denkt an die Kinder! – so pietätlos wie 3,99 kann man gar nicht sein ;-)
*"Mann" ist postgender für "hochprofessionelle Checkerbunnys beiderlei Geschlechts"

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